Initiative für transparenten Verbraucherschutz

Verbraucherpolitik in Deutschland orientiert sich bisher am Menschenbild unseres Grundgesetzes: Der Mensch als mündiger Bürger, der Entscheidungen für sich selbst trifft. Entsprechend ist der „mündige Verbraucher“ auch das Leitbild der bisherigen Verbraucherpolitik.

  • Er stellt sicher, dass der Verbraucher vom Hersteller alle Informationen bekommt, die er für seine Entscheidung braucht.
  • Mit diesem Leitbild ist auch klar, was der Staat zu tun hat.
  • Er weist auf Gefahren und Risiken hin, stellt Regeln zur Produktsicherheit auf und verbietet im äußersten Falle Produkte und Inhaltsstoffe.

Er stellt Regeln auf, die Betrug und Verbrauchertäuschung verhindern.
Doch dieses Leitbild verändert sich. Statt vom „mündigen Verbraucher“ ist immer häufiger vom „realen Verbraucher“ die Rede. Dahinter steckt eine banale Erkenntnis: Menschen tun nicht immer das, was sie selbst als vernünftig bezeichnen würden. Sie essen mehr Süßigkeiten, als sie sich vorgenommen hatten. Sie trinken mehr Alkohol. Sie schieben Entscheidungen über Altersvorsorge auf. Sie treffen Konsum- und Anlageentscheidungen, die für sie selbst negative Folgen haben können.

Manche Verbraucherschützer setzen deshalb nicht mehr nur auf Bildung, Information und Aufklärung sondern auch auf direkte Verhaltenslenkung. Dieser Paradigmenwechsel in der Verbraucherpolitik definiert das Verhältnis von Staat und Bürger neu:

  • Der erwachsene Bürger wird als unselbstständig und hilfsbedürftig angesehen und kommt damit in die Rolle eines Kindes.
  • Experten wird eine abschließende Bewertung zugetraut, welche Ernährung, welches Konsum- und Anlageverhalten für Verbraucher am besten ist.
  • Experten wird das Recht zugesprochen, in die Konsumentscheidungen lenkend einzugreifen ohne dass der Bürger das im Einzelfall merkt.

Diese neue, lenkende Verbraucherpolitik basiert auf verhaltenswissenschaftlichen Erkenntnissen und ist international auf dem Vormarsch. Sie wird unter dem Begriff „Nudging“ (Deutsch: Anstoß) diskutiert, oft ist auch von „verhaltenswissenschaftlich fundierten Maßnahmen“ die Rede. Dabei werden irrationale Aspekte der menschliche Entscheidungsfindung genutzt, um Verbraucherverhalten zu beeinflussen: Zum Beispiel durch Vorschriften über die Verpackungsgestaltung oder Produktpräsentation in Handel und Gastronomie.

Das geplante Alkoholgesetz in Irland und die vorgeschlagene Zucker-Steuer in Großbritannien sind Beispiele für die Ausbreitung der bevormundenden Verbraucherpolitik. In Kanzleramt und Bundesministerien werden verhaltenswissenschaftlich basierte Maßnahmen entwickelt, das neue Leitbild sickert auch in die Programmdebatten der politischen Parteien ein. Es besteht die Gefahr, dass bevormundende Verbraucherpolitik in Deutschland in der nächsten Wahlperiode auf breiter Front Realität wird.

Die Initiative für transparenten Verbraucherschutz tritt dieser Entwicklung entgegen. Sie wirbt für eine Verbraucherpolitik, die den mündigen Bürger ernst nimmt und ihm selbstständige Entscheidungen zutraut.Sie fördert die kritische Debatte über Leitbild und Methoden der Verbraucherpolitik in Deutschland. Und sie sucht Mitstreiter in der Wirtschaft, die sich branchenübergreifend gegen einen Paradigmenwechsel in der Verbraucherpolitik einsetzen.